Themen: Menschen, Medizin

Mit 90 wieder auf die Beine kommen

90-jährige Patientin nach Sturz in BG Klinik Ludwigshafen mit TherapeutinIn der Weihnachtszeit Stollen backen und an liebe Menschen verschenken, darauf wird Inge Keck in diesem Jahr verzichten müssen. Glück im Unglück hatte die rüstige 90-Jährige, die nach einem Sturz mit Hüftgelenksfraktur Ende Oktober zur Behandlung ins Alterstraumatologische Zentrum (ATZ) der BG Klinik Ludwigshafen gebracht wurde. Zwei Wochen wurde sie hier von einem Team aus Spezialisten betreut, die auf die Behandlung geriatrischer Unfallpatienten spezialisiert sind.

„Ich war in der Waschküche, als es passierte“, erzählt die Seniorin im Gespräch. Beim Wäscheaufhängen verliert sie das Gleichgewicht, „und dann bin ich einfach umgekippt.“ Sie schlägt mit dem Kopf gegen den Heizkörper, es blutet. Geistesgegenwärtig drückt die alleinlebende Dame den Hausnotruf-Knopf, den sie am Handgelenk trägt und der mit dem Deutschen Roten Kreuz verbunden ist. Dort schaltet man schnell, informiert die Tochter und alarmiert den Rettungsdienst.

„Früher war ein Hüftgelenksbruch im Alter häufig der Anfang vom Ende“, berichtet Dr. Christiane Lenke. Die Geriaterin und Internistin leitet gemeinsam mit der Unfallchirurgin und Orthopädin Dr. Christine Neubrech das Zentrum für Alterstraumatologie der BG Klinik Ludwigshafen. Das Zentrum ist auf die traumatologische Versorgung älterer Menschen mit häufig mehrfachen Begleiterkrankungen spezialisiert.

Motivationskünstlerin

Alte Menschen stellen an eine unfallchirurgische Versorgung ganz besondere Anforderungen. Die Knochenstruktur ist im Alter poröser, Wunden und Brüche brauchen länger zum Ausheilen, die Anästhesie und die medikamentöse Behandlung nach einer OP müssen sorgfältig auf das Alter, die Begleiterkrankungen und den Ernährungsstatus abgestimmt werden. Während die Chirurgen sich um die operative Versorgung kümmern, hat Geriaterin Dr. Lenke diese speziellen Anforderungen fest im Blick und geht auf jeden ihrer Patienten individuell und mit ganz viel Herzblut ein. Und ist dabei nicht selten auch eine Motivationskünstlerin: „Wir versuchen, mit den Leuten zusammenzuarbeiten“, sagt sie. Manche brauchen einen Anschub, damit sie mitmachen. „Aber wenn die Senioren mal verstanden haben, dass es um etwas geht, um ihre Selbständigkeit, dann arbeiten sie sehr gut mit.“ Manchmal sogar besser als junge Patienten. Die alten Menschen sehen dann, dass das vielleicht ihre einzige Chance ist, wieder auf die Beine zu kommen.

Anziehen, Kämmen, Zähne putzen

Damit die betagten Patienten wieder so gut es geht fit werden, ziehen viele Fachdisziplinen an einem Strang. Gemeinsam betrachten sie jeden Fall und analysieren, was ein Patient schon wieder gut kann und wo er Unterstützungsbedarf hat. Die Physiotherapie etwa testet, wie mobil die Patienten sind, wie es um die Beweglichkeit, Kraft und Balance steht und trainiert mit den Patienten bedarfsgerecht. Und wie gut funktionieren Alltagsfähigkeiten wie Anziehen, Kämmen oder Zähne putzen? Hier schaut die Ergotherapie genau hin und trainiert auch das mit den Senioren. Nicht zuletzt ist der Sozialdienst mit im Boot und klärt mit dem Patienten und seiner Familien, ob der Patient zu Hause versorgt ist, ob er in sein gewohntes Umfeld zurückkehren kann und welche Unterstützung nötig ist. Dr. Lenke schließlich stimmt sich vor der Entlassung eng mit dem Hausarzt ab, um Medikamentengabe und weitere Nachbehandlungen zu besprechen.

„Ich hab den Willen!“

Die Patienten, die im multiprofessionellen Team versorgt und unterstützt werden, sind in aller Regel 70 Jahre und älter. Kürzlich hat Fr. Dr. Lenke eine 101-jährige Patientin entlassen. Bei Inge Keck ist die Geriaterin zuversichtlich. Nach der Reha will die 90-jährige wieder zurück nach Hause. Unterstützt wird sie dann durch ihre Tochter. Waschen, putzen, einkaufen – das könne man jemandem abnehmen, sagt Dr. Lenke, „aber die zwei Etagen, die kann niemand für sie gehen, das muss die Patientin selbst machen.“ Dieses Ziel hat sich Inge Keck gesetzt. „Es ist wichtig, dass man selbst den Willen hat“ sagt sie. Und ergänzt: „Ich hab‘ den Willen!“

Weitere Infos zum Alterstraumatologischen Zentrum der BG Klinik Ludwigshafen finden Sie auf unserer Website. 

GESCHRIEBEN VON Ute Kühnlein AM 8.Dezember 2020 12:42:57